Postsozialistische Arbeiterbilder...

Ca. 1995 habe ich, während des Studiums an der HfBK-Dresden, die ersten "Postsozialistischen Arbeiterbilder" gemalt.

Die Wende hat uns nicht nur von der Angst um einen irrtümlichen atomaren Bruderkrieg befreit und mir persönlich eine Familie beschert, sie hat im Westen schon begonnene Diskussionen um Begriffe wie Arbeit, Geld etc. scheinbar unterbrochen, die jetzt in anderer Form mit anderen Vorzeichen und Voraussetzungen wieder kommen.

Ich bin Anfang der 90ger vom Westen in die ehemalige DDR gezogen, um hier in Dresden Kunst zu studieren. Ich hatte Interesse an gegenständlicher Malerei und Plastik, seit Mitte der 80er hatte ich gegenständlich, überwiegend Portraits, gemalt. Der Kunstbetrieb Westdeutschlands war seit Jahrzehnten durch „abstraktere“ Kunstrichtungen dominiert, im Gegensatz übrigens zu Italien, Frankreich und den USA (POP art!). Ich interessierte mich für figurative Malerei und im Osten vermutete ich ein Wissen um handwerkliche Techniken, das an westdeutschen Kunsthochschulen nicht mehr gelehrt wurde. Die Bücher des Dresdners Gottfried Bammes waren für uns in Bochum Synonym für lehrbare Kunsttechniken.

Wichtiger war für mich jedoch die Theorie, dass wegen des totalen Wandels der gesellschaftlichen Grundlagen im Osten (politisches System, Wirtschaftssystem, Eigentumsbegriff...) dort der Kunstbegriff absolut neu definiert werden müsste.

Das ist passiert, aber nicht nur im Osten und nicht in der von mir erwarteten Form. Scheinbar hat der Osten (und der Kunstbetrieb) bruchlos die Weststrukturen übernommen. Scheinbar, weil es nicht die Strukturen des „alten Westen“ waren. Es ist etwas Neues entstanden und aus meiner Sicht ist der weltweite Erfolg der "Leipziger Schule" Ausdruck dieser Änderung.

Die gesellschaftliche Struktur ändert sich permanent und die Wende war eine fundamentale Zäsur. Die jetzige Situation ist ein Produkt gemeinsamer ost-westlicher Geschichte. Zur Diskussion stehen im weltweiten OstWesten Grundbegriffe der Gesellschaft wie der Geldbegriff (alternative Währungssysteme, Transformation des "realen" Geldes in Buchungseinheiten), der Eigentumsbegriff (Patentpolitik, "open source" Bewegung), die Rechtssysteme (Bildung einer internationalen Gerichtsbarkeit), die Religionen, der Begriff der Arbeit (nur noch 39% der Bevölkerung Deutschlands leben von "klassischer" Erwerbsarbeit), der Familien (Patchworkfamilien mit Familienbeziehungen, die KEINE Bezeichnungen in der Sprache haben und umständlich beschrieben werden müssen), der Generationenbeziehungen, der „Sozialen Verantwortung“ und Eigenverantwortung usw...

Panta rhei, und wir schwimmen mit.

Zu den Bildern:
Die gezeigten Bilder sind aus der Serie „Postsozialistischer Arbeiterbilder“. Sie zeigen arbeitende Menschen, Politiker und Journalisten, Manager, Menschen im Showbusiness...

Ich liebe diese Bauarbeiterhelme. Die reale körperliche Arbeit verflüchtigt sich und wird durch Maschinen erledigt. Arbeit "virtualisiert" sich, sie löst sich von der körperlich erfahrbaren Welt. Immer mehr Menschen arbeiten, wenn sie noch arbeiten, im Dienstleistungsgewerbe an Rechnern, ihre Arbeit wird sitzend an Schreibtischen erledigt und besteht aus Kommunikation, sich zu unterhalten und darin, Daten zu produzieren, die körperlich nicht mehr erfahrbar sind. Das trifft natürlich auch besonders auf Politiker und Journalisten zu.

Der Bauarbeiterhelm steht noch für körperlich harte und mit seiner Schutzfunktion sogar für potentiell gefährliche Arbeit. Für alte, ehrliche, "old fashioned" harte Arbeit. Arbeit, die es noch gibt, die aber zusehens weniger wird.

Politiker, Manager und Journalisten lieben diese Helme. Diese Helme stellen noch einen Bezug zur realen, guten, alten Arbeitswelt her. Sie aufzusetzen ist eine sentimentale Referenz an eine Arbeitswelt, die sich aufgelöst hat. Jeder kennt Bilder von Politikern beim Spatenstich mit Helm, obwohl die Gefahr, auf freiem Feld am Kopf getroffen zu werden äusserst gering ist.

So mutiert der Bauarbeiterhelm langsam zu einem Symbol. Er wird von einem Billigkopfschutz zu einer "Krone" harter, realer und ehrlicher Arbeit, die besonders gerne von denen aufgesetzt wird, die mit dieser Art Arbeit nichts mehr zu tun haben.

Auf der Baustelle am Dresdner Hauptbahnhof arbeiteten in der großen Eingangshalle fast 50 Handwerker. Sie machten Trockenbau, bearbeiteten den Boden, sägten, hämmerten, bohrten und verlegten Kabel. Keiner von ihnen trug einen Helm. Etwas abseits standen 2 Männer in "Geschäftskleidung", saubere Hemden, Hosen mit Bügelfalten, mit Aktenordnern und Laptops - auf dem Kopf Bauarbeiterhelme.

 
Ich und Er ......... ................. ........ ..................... .......... .................... ........ ............................... .................. ......... .... .... ..................... ....... ....................... ............. ............................ ......... ................... ............. ................... ......... ................ ...... .............. ..................... ......... .......... ..................................... Ich und Er,Ölbild, 2005
 
Selbstportrait 2004 ............. ................................. Parität
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es geht um Kohle ......... ................. ........ ..................... .......... .................... ........ ............................... .................. ......... .... .... ..................... ....... ....................... ............. ............................ ......... ................... ............. ................... ......... ................ ...... .............. ..................... ......... .......... ..................................... auf dem Berg, da steht...
 
Selbstportrait 2004 ............. .................... ...................... 3 Selbstportraits
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Feuerwehr ......... ................. ........ ..................... .......... .................... ........ ............................... .................. ......... .... .... ..................... ....... ....................... ............. ............................ ......... ................... ............. ................... ......... ................ ...... .............. ..................... ......... .......... ..................................... Schmidt, Schmidt und Schmidt oder die Stimme ihres Herrn, 120x80 cm, Öl - Leinwand, 2004
 
Totentanz, Ausschnitt, Öl-Leinwand, 120x80 cm, 2003 Zugegeben etwas böse...................... ................................................................ .............................................. ...................................................... ................... ............................................... .......................
Beziehungspflege, Menschen bei der sozialen Arbeit.................. ................................................................ .............................................. ...................................................... ................... ............................................... ....................... ......................... ......
 
Kulturarbeit, oder Schmitt, Schmidt und Schmid........................ ................................................................ .............................................. ...................................................... ................... ............................................... ....................... ......................... Eine Gruppe von 5 Personen, die einem Vortrag lauschen ........................ ................................................................ .............................................. ...................................................... ................... ............................................... ....................... ......................... ............... Kulturarbeit: Schmidt, Schmidt ..., Öl-Leinwand, 120x80 cm, 2004
 
 

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